BIM-Glossar: 30 Begriffe, je zwei Sätze – zum schnellen Nachschlagen in der Ausschreibung

Sie stolpern in einer Ausschreibung über ein Kürzel und wollen nur schnell eine Antwort? Dieses Glossar erklärt die 30 wichtigsten Begriffe aus BIM, Scan-to-BIM und Wohnflächenberechnung – jeweils in genau zwei Sätzen. Jeder Begriff hat einen eigenen Anker, sodass Sie direkt darauf verlinken können.
BIM – Building Information Modeling
- BIM ist eine Arbeitsmethode, bei der ein digitales Gebäudemodell über den gesamten Lebenszyklus mit Informationen angereichert und zwischen allen Beteiligten ausgetauscht wird. Es ist ausdrücklich keine Software und kein Produkt, sondern ein Prozess, der Informationsmanagement, Datenaustausch und Zusammenarbeit neu ordnet.
EIR – Auftraggeber-Informationsanforderungen (Employer's Information Requirements)
- Die EIR (in Deutschland auch AIA) legen fest, welche Informationen der Auftragnehmer in welcher Form und zu welchem Projektzeitpunkt liefern muss. Sie sind Grundlage für die Vergabe von Planungsleistungen und vertraglich vereinbart – ohne EIR gibt es keine verbindlichen BIM-Anforderungen.
BEP – BIM-Abwicklungsplan (BIM Execution Plan)
- Der BEP (auch BAP) beschreibt nach der Beauftragung, wie die in der EIR vereinbarten Informationen tatsächlich geliefert werden – mit Prozessen, Verantwortlichkeiten, Software und Meilensteinen. Er konkretisiert die EIR, darf sie aber nicht verändern.
CDE – Gemeinsame Datenumgebung (Common Data Environment)
- Die CDE ist die gemeinsame Datenumgebung, in der alle Projektbeteiligten Modelle, Dokumente und Informationen ablegen und austauschen. Sie ist die „Single Source of Truth“ eines BIM-Projekts und wird nach DIN EN ISO 19650 strukturiert.
IFC – Industry Foundation Classes
- IFC ist der offene, internationale Standard für den Datenaustausch zwischen BIM-Software und in ISO 16739-1 genormt. Er ist die technische Grundlage für Open BIM – die softwareunabhängige Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten.
LOD – Level of Detail / Level of Development
- LOD beschreibt, wie detailliert ein Bauteil geometrisch modelliert ist – von LOD 100 (Konzept) bis LOD 500 (As-built). Eine Aussage über die Genauigkeit gegenüber dem realen Gebäude trifft LOD ausdrücklich nicht.
LOA – Level of Accuracy
- LOA beschreibt die Messgenauigkeit eines Modells, also die zulässige Abweichung vom realen Bestand, üblicherweise nach der USIBD-Skala bei 95 % Konfidenz. Für Sanierungsplanung ist meist LOA30 (5–15 mm) der richtige Standard; LOA50 (0–1 mm) braucht man nur für Passteile.
LOI – Level of Information
- LOI beschreibt die alphanumerischen Informationen, die einem Modellelement anhängen – etwa Material, Brandschutzklasse, U-Wert oder Baujahr. Der LOI ist die „Datenseite“ des Modells, während der LOD die „Geometrieseite“ beschreibt.
LOIN – Level of Information Need
- LOIN legt nach EN 17412-1 (inzwischen durch EN ISO 7817-1 abgelöst) fest, welche Informationen für einen bestimmten Zweck tatsächlich nötig sind. Leitgedanke: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ – eine Flächenberechnung braucht andere Daten als eine energetische Sanierung.
IDS – Information Delivery Specification
- IDS ist ein maschinenlesbares Format, mit dem sich Informationsanforderungen an ein BIM-Modell prüfbar beschreiben lassen – zum Beispiel, welche Attribute ein Bauteil tragen muss. Damit wird die EIR automatisch überprüfbar, ein zentraler Baustein der Qualitätssicherung.
Punktwolke – Point Cloud
- Eine Punktwolke ist eine große Menge einzelner 3D-Messpunkte, die die Oberfläche eines realen Gebäudes abbildet. Sie ist das Rohergebnis eines Laserscans und die Grundlage für die Modellierung von Bestandsmodellen.
Registrierung – Registration
- Registrierung ist das Ausrichten und Zusammenführen mehrerer Einzelscans zu einer gemeinsamen Punktwolke. Sie ist entscheidend für die Genauigkeit des späteren Modells, denn hier entstandene Fehler lassen sich nachträglich nicht mehr korrigieren.
Scan-to-BIM – Vom Scan zum BIM-Modell
- Scan-to-BIM beschreibt den Workflow von der 3D-Vermessung über die Punktwolke bis zum modellierten BIM-Bestandsmodell. Es ist der Standardweg, um Bestandsgebäude für Sanierung, Umbau oder Betrieb digital zu erfassen.
SLAM – Simultaneous Localization and Mapping
- SLAM ist ein Verfahren, bei dem ein mobiler Scanner seine eigene Position in Echtzeit bestimmt und gleichzeitig seine Umgebung kartiert. Es ermöglicht schnelles Scannen ohne aufwendige Vorvermessung, ist aber oft weniger genau als klassische terrestrische Scanner.
Laserscanning – Laser Scanning
- Beim Laserscanning wird die Oberfläche eines Gebäudes mit einem Laserstrahl abgetastet und in Millionen einzelner Punkte zerlegt. Terrestrisches Laserscanning liefert die höchste Genauigkeit und ist der Standard für die Bestandserfassung im BIM-Kontext.
Photogrammetrie – Photogrammetry
- Bei der Photogrammetrie wird aus vielen überlappenden Fotos – per Drohne oder Kamera – ein 3D-Modell rekonstruiert. Sie ist schneller und günstiger als Laserscanning, erreicht dessen Genauigkeit aber meist nicht.
Bestandsmodell – Existing Conditions Model
- Ein Bestandsmodell ist ein BIM-Modell, das den tatsächlichen Zustand eines bestehenden Gebäudes abbildet – inklusive Wänden, Decken, Öffnungen und Haustechnik. Es ist die Grundlage für Sanierungsplanung, Umbau, Betrieb und Rückbau.
As-Built – Ausführungsstand
- „As-built“ bezeichnet den Stand eines Modells, der abbildet, was tatsächlich gebaut wurde. Er entspricht LOD 500 und ist die Grundlage für Betrieb und Facility Management – nicht für die Planung.
Open BIM – Offene BIM-Zusammenarbeit
- Open BIM bezeichnet die Zusammenarbeit über offene Standards wie IFC – herstellerneutral und softwareübergreifend. Es ist das Gegenstück zu Closed BIM und erlaubt allen Beteiligten, mit ihren eigenen Werkzeugen zu arbeiten.
Closed BIM – Geschlossene BIM-Zusammenarbeit
- Closed BIM bezeichnet die Zusammenarbeit innerhalb eines einzigen Software-Ökosystems mit den proprietären Formaten eines Herstellers. Das kann effizient sein, schränkt aber die Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten ein.
Kollisionsprüfung – Clash Detection
- Die Kollisionsprüfung prüft Fachmodelle automatisch auf räumliche Konflikte – zum Beispiel Rohre, die durch Träger laufen, oder Schächte, die mit Wänden kollidieren. Sie ist ein zentraler Teil der modellbasierten Koordination und verhindert Konflikte auf der Baustelle.
Mengenermittlung – Quantity Take-Off
- Die modellbasierte Mengenermittlung leitet Massen, Flächen und Volumina direkt aus dem BIM-Modell ab. Sie ist nur so verlässlich wie das Modell – für Ausschreibungen braucht es LOD 300, nicht LOD 200.
4D BIM – BIM plus Bauzeitplan
- 4D BIM verknüpft das 3D-Modell mit dem Bauzeitplan, sodass sich der Bauablauf über die Zeit simulieren lässt. Terminrisiken werden sichtbar, bevor sie auf der Baustelle auftreten.
5D BIM – BIM plus Kosten
- 5D BIM verknüpft das Modell mit Kosteninformationen, sodass sich Mengen und Preise automatisch aus dem Modell ableiten lassen. Es ist die Grundlage für modellbasierte Kostenplanung und Kostensicherheit im Projekt.
Digitaler Zwilling – Digital Twin
- Ein digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild eines realen Gebäudes, das fortlaufend mit Betriebsdaten aktualisiert wird. Er geht über das BIM-Modell hinaus und dient Betrieb, Instandhaltung und Optimierung.
PIM – Projektinformationsmodell (Project Information Model)
- Das PIM ist das Informationsmodell während der Planungs- und Bauphase und enthält alle projektbezogenen Daten. Nach der Fertigstellung wird es in das AIM überführt.
AIM – Bestandsinformationsmodell (Asset Information Model)
- Das AIM ist das Informationsmodell für den Betrieb und enthält alle Informationen, die für Facility Management und Instandhaltung benötigt werden. Es ist die langfristige Informationsbasis des Betreibers.
WoFlV – Wohnflächenverordnung
- Die WoFlV ist seit 2004 der faktische Standard für die Berechnung von Wohnflächen in Deutschland und wird von Gerichten herangezogen, wenn nichts anderes vereinbart ist. Balkone werden in der Regel mit 25 % angesetzt, Dachschrägen ab 2 m Höhe voll, zwischen 1 und 2 m zur Hälfte und unter 1 m gar nicht.
II. BV – Zweite Berechnungsverordnung
- Die II. BV war bis 2003 die Grundlage der Wohnflächenberechnung und erlaubt, Balkone mit bis zu 50 % anzurechnen. Heute gilt sie nur noch für Altverträge, die vor 2004 geschlossen wurden.
DIN 277 – Grundflächen und Rauminhalte im Hochbau
- Die DIN 277 ist eine Baunorm zur Ermittlung von Brutto- und Nettogrundflächen und regelt ausdrücklich keine Wohnfläche im rechtlichen Sinn. Balkone und Dachschrägen werden dort voll angesetzt, weshalb sie für Miet- oder Kaufverträge nicht maßgeblich ist.
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