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Zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2026

LOD 300 – aber wie genau? Warum LOA die entscheidende Kennzahl für Bestandsmodelle ist

LOD 300 – aber wie genau? Warum LOA die entscheidende Kennzahl für Bestandsmodelle ist

„Ihr Modell hat LOD 300. Wie genau ist es?“ Diese Frage hören wir oft – und sie führt direkt in einen der häufigsten Denkfehler im BIM-Alltag. Denn LOD sagt nichts über die Genauigkeit eines Modells aus. LOD beschreibt den Detaillierungsgrad. Wie gut das Modell zum realen Gebäude passt, beschreibt die LOA – Level of Accuracy.

Wer Bestandsmodelle für Sanierung, Umbau oder Betrieb erstellt oder einkauft, muss beide Kennzahlen getrennt betrachten. Sonst entsteht ein Modell, das zwar detailliert aussieht, aber für die Planung nicht belastbar ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • LOD beschreibt, wie detailliert und informationsreich ein Modell ist – nicht, wie genau es dem realen Gebäude entspricht.
  • LOA beschreibt die Genauigkeit bzw. die zulässige Abweichung zum realen Bestand.
  • Die LOA-Skala nach USIBD v3.0 reicht von LOA10 (über 5 cm) bis LOA50 (0 bis 1 mm), jeweils bei 95 % Konfidenz.
  • Für die Sanierungsplanung ist LOA30 meist der richtige Standard.
  • LOA50 braucht man nur für Passstücke oder hochpräzise Fertigteile.
  • Vertragstipp: LOD und LOA getrennt festlegen – am besten in den AIA (Auftraggeber-Informations-Anforderungen).

LOD und LOA: zwei Begriffe, zwei völlig verschiedene Aussagen

LOD – oft als Level of Development oder Level of Detail bezeichnet – beschreibt den Entwicklungsstand eines BIM-Modells. LOD 300 bedeutet in der Regel: Bauteile sind als spezifische Elemente mit präziser Geometrie, Größe, Form, Position und Ausrichtung modelliert. Ein LOD-300-Modell kann also sehr detailliert aussehen.

Aber: LOD 300 sagt nichts darüber aus, ob die Wand wirklich an der richtigen Stelle steht, ob die Decke die tatsächliche Höhe hat oder ob eine Öffnung im Bestand millimetergenau erfasst wurde. Ein Modell kann LOD 300 erfüllen und trotzdem mehrere Zentimeter vom realen Gebäude abweichen.

Genau hier kommt die LOA ins Spiel. Sie beantwortet die Frage: Wie nah ist das Modell am echten Bauwerk? LOA ist damit die entscheidende Kennzahl für alle, die aus dem Modell planen, bauen, sanieren oder Kosten ableiten.

Die LOA-Skala nach USIBD v3.0

Die LOA-Definitionen des U.S. Institute of Building Documentation (USIBD) in der Version 3.0 haben sich als praxisnaher Standard etabliert. Die Angaben gelten bei 95 % Konfidenz – das heißt, 95 % der Messungen liegen innerhalb der angegebenen Toleranz.

LOA-Stufe Zulässige Abweichung Typischer Einsatz
LOA10 über 5 cm Übersichtsmodelle, frühe Machbarkeit
LOA20 15 mm bis 5 cm Vorplanung, Bestandsübersicht
LOA30 5 bis 15 mm Sanierungsplanung, Umbau, Ausführungsplanung
LOA40 1 bis 5 mm Präzise Detailplanung, historische Bauten
LOA50 0 bis 1 mm Passstücke, Fertigteile, hochpräzise Anschlüsse

Die Tabelle macht deutlich: Zwischen LOA20 und LOA30 liegt ein großer Unterschied. Wer Sanierungen plant, braucht in der Regel LOA30 – nicht weniger.

Was LOA30 für die Sanierungsplanung bedeutet

Für die meisten Sanierungs- und Umbauprojekte ist LOA30 der richtige Standard. Die Toleranz von 5 bis 15 mm reicht aus, um Wände, Decken, Öffnungen, Schächte und Installationen so zu erfassen, dass darauf aufbauend geplant werden kann. Architekten, Tragwerksplaner und Fachplaner können sich auf die Maße verlassen, ohne dass jedes Bauteil einzeln nachgemessen werden muss.

LOA30 ist damit der pragmatische Kompromiss aus Genauigkeit, Aufwand und Kosten. Höhere Genauigkeit ist nicht automatisch besser – sie kostet Zeit und Geld und ist für viele Planungsaufgaben schlicht nicht erforderlich.

Wann LOA40 oder LOA50 sinnvoll sind

LOA40 mit 1 bis 5 mm Abweichung wird dann interessant, wenn es um präzise Details geht – etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden, komplexen Anschlüssen oder wenn Bauteile im Bestand exakt abgebildet werden müssen.

LOA50 mit 0 bis 1 mm ist die höchste Stufe. Sie ist nur für Passstücke erforderlich – also für Bauteile, die millimetergenau in den Bestand eingepasst werden müssen, etwa vorgefertigte Elemente, Fassadenteile oder technische Komponenten. Für die allgemeine Sanierungsplanung wäre LOA50 überdimensioniert und unwirtschaftlich.

LOD 300 ohne LOA ist keine Genauigkeitsaussage

Die Kombination macht es: Ein Modell mit LOD 300 und LOA30 sagt aus, dass die Bauteile detailliert modelliert und mit einer Genauigkeit von 5 bis 15 mm erfasst sind. Ein Modell mit LOD 300 und LOA20 sieht vielleicht ähnlich detailliert aus, ist aber nur auf 15 mm bis 5 cm genau – ein Unterschied, der in der Ausführung schnell teuer werden kann.

Deshalb sollte bei jeder Bestandsmodellierung immer beides definiert werden: Detaillierungsgrad und Genauigkeit.

Vertragstipp: LOD und LOA getrennt regeln – am besten im AIA

Der häufigste Fehler in der Praxis: Es wird nur LOD vereinbart. Die Genauigkeit bleibt offen. Später streiten Auftraggeber und Auftragnehmer darüber, ob das Modell „gut genug“ ist.

Die Lösung: LOD und LOA getrennt festlegen – am besten in den AIA (Auftraggeber-Informations-Anforderungen). Dort gehören beide Kennzahlen eindeutig in die Leistungsbeschreibung.

Formulierungsbeispiel:

„Der Auftragnehmer erstellt ein Bestandsmodell mit LOD 300 und LOA30 gemäß USIBD v3.0 bei 95 % Konfidenz. Die Einhaltung der LOA ist durch Kontrollmaße und einen Prüfbericht nachzuweisen.“

So ist klar, was geliefert wird – und woran es gemessen wird.


Fazit: LOD 300 ist eine wichtige Angabe für den Detaillierungsgrad eines BIM-Modells. Für die Frage „Wie genau ist es?“ ist jedoch allein die LOA entscheidend. Wer Bestandsmodelle für Sanierungen einkauft oder erstellt, sollte LOA30 als Standard wählen und LOD und LOA getrennt im AIA vereinbaren.

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