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Zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2026

LOD 200 reicht nicht für die Ausschreibung: Welcher Detaillierungsgrad in welcher Leistungsphase nötig ist

LOD 200 reicht nicht für die Ausschreibung: Welcher Detaillierungsgrad in welcher Leistungsphase nötig ist

„Wir machen das Modell in LOD 200 – das reicht doch fürs Erste.“ Dieser Satz ist der Anfang vieler teurer Nachträge. Denn LOD 200 ist ein Entwurfs-Werkzeug, kein Ausschreibungs- oder Ausführungsstandard. Wer damit in die Vergabe geht, bekommt entweder keine belastbaren Mengen – oder zahlt am Ende doppelt, weil das Modell nachgearbeitet werden muss.

Die entscheidende Frage ist nicht, welches LOD „am besten“ ist, sondern welches LOD welches Bauteil in welcher Leistungsphase haben muss. Und diese Festlegung gehört verbindlich ins AIA und in den BAP.

Das Wichtigste in Kürze

  • LOD 200 bedeutet Näherungsgeometrie mit ungefähren Maßen – gut für Entwurf, Mengenschätzung und Kostenrahmen.
  • Für Genehmigung und Ausführung braucht es LOD 300 – präzise Geometrie mit spezifischen Bauteilen.
  • Für die Koordination der Schnittstellen zwischen Gewerken ist LOD 350 erforderlich.
  • Das LOD-Ziel gehört je Bauteil und je Leistungsphase in die AIA und den BAP.
  • Wer es offen lässt, bekommt entweder zu wenig oder bezahlt zu viel.

Was LOD 200 leistet – und was nicht

Bei LOD 200 werden Bauteile als Näherungsgeometrie mit ungefähren Maßen modelliert. Eine Wand ist eine Wand – aber ohne exakte Schichtaufbau, ohne präzise Öffnungsmaße, ohne saubere Anschlussdetails. Das ist völlig legitim, solange man sich in der Phase befindet, für die dieses LOD gedacht ist.

LOD 200 ist geeignet für:

  • Entwurf und Variantenvergleich – wie wirkt das Gebäude, wie funktioniert die Grundrissorganisation?
  • Mengenschätzung – grobe Kubaturen, Flächen, Volumen.
  • Kostenrahmen – Budgetgrößenordnungen, Machbarkeitsbetrachtungen.

LOD 200 ist nicht geeignet für:

  • Ausschreibung und Vergabe, weil Mengen nicht belastbar sind.
  • Genehmigungsplanung, weil Bauteile nicht spezifisch genug sind.
  • Ausführung, weil Anschlüsse und Schnittstellen fehlen.
  • Koordination zwischen Gewerken, weil Konflikte nicht sichtbar werden.

Kurz: LOD 200 beantwortet die Frage „Was wollen wir bauen?“ – nicht die Frage „Wie bauen wir es genau?“

Die LOD-Stufen 100 bis 500 im Überblick

LOD Beschreibung Typische Leistungsphase
LOD 100 Konzeptuelles Element, Symbol oder grobe Volumenkörper, keine belastbaren Maße Grundlagenermittlung, Machbarkeit
LOD 200 Näherungsgeometrie mit ungefähren Maßen, Größe, Form, Position Entwurfsplanung, Mengenschätzung, Kostenrahmen
LOD 300 Präzise Geometrie, spezifische Bauteile mit exakten Maßen, Formen, Positionen Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Ausschreibung
LOD 350 LOD 300 plus Darstellung der Schnittstellen und Anschlüsse zu anderen Gewerken Koordination der Fachplanungen, Schnittstellenklärung
LOD 400 Fertigungs- und Montagereife, Details für Herstellung und Einbau Werkstattplanung, Fertigung
LOD 500 As-built-Modell, verifiziert am realen Gebäude in Größe, Form, Position Betrieb, Facility Management, Bestandsdokumentation

Wichtig: Die LOD-Stufen bauen aufeinander auf, sind aber nicht automatisch durchlaufend. Ein Bauteil kann in LOD 350 sein, während ein anderes noch in LOD 200 steckt – je nachdem, wann es für die Planung relevant wird.

Warum LOD 300 der Ausschreibungsstandard ist

Für Ausschreibung und Vergabe braucht man LOD 300. Erst hier sind Bauteile so modelliert, dass Mengen, Materialien und Konstruktionen eindeutig abgeleitet werden können. Ohne diese Präzision entstehen die klassischen Probleme:

  • Mengen stimmen nicht – Massen werden zu niedrig oder zu hoch angesetzt.
  • Positionen fehlen – Bauteile sind noch gar nicht im Modell.
  • Nachtragsrisiko steigt – Differenzen zwischen Modell und Realität werden zu Streitfällen.
  • Angebote sind nicht vergleichbar – jeder Bieter interpretiert das Modell anders.

Kurz: Wer mit LOD 200 ausschreibt, schreibt Unsicherheit aus – und bezahlt sie über höhere Preise oder Nachträge.

Wann LOD 350 nötig wird

LOD 350 ist LOD 300 plus die Darstellung der Schnittstellen und Anschlüsse zu anderen Gewerken. Es ist damit das entscheidende LOD für die Koordination der Fachplanungen – etwa wenn Tragwerk, TGA, Ausbau und Fassade aufeinandertreffen.

Ohne LOD 350 bleiben Konflikte unsichtbar: Leitungen, die durch Träger laufen, Schächte, die mit Wänden kollidieren, Anschlüsse, die nicht aufgehen. Diese Konflikte werden dann auf der Baustelle gelöst – mit den bekannten Folgen für Termin und Budget.

LOD 400 und LOD 500: Fertigung und Betrieb

LOD 400 steht für Fertigungs- und Montagereife. Hier geht es um Werkstattplanung, Detailanschlüsse und die Grundlage für die Herstellung von Bauteilen.

LOD 500 beschreibt das As-built-Modell – verifiziert am realen Gebäude in Größe, Form, Position und Menge. Es ist die Grundlage für Betrieb und Facility Management, nicht für die Planung.

Das LOD-Ziel gehört ins AIA und in den BAP

Der entscheidende Fehler in der Praxis: Es wird ein LOD für das gesamte Projekt vereinbart – oder gar keines. Beides führt zu Problemen.

Richtig ist: Das LOD-Ziel wird je Bauteil und je Leistungsphase festgelegt. Eine Außenwand braucht in der Entwurfsphase LOD 200, in der Ausschreibung LOD 300, in der Koordination LOD 350 und in der Fertigung LOD 400. Ein Bauteil, das erst spät relevant wird, darf länger in einem niedrigeren LOD bleiben.

Diese Festlegung gehört verbindlich in:

  • AIA (Auftraggeber-Informations-Anforderungen) – als Anforderung des Auftraggebers an das Modell.
  • BAP (BIM-Abwicklungsplan) – als konkrete Umsetzung und Verantwortlichkeit je Bauteil und Phase.

Die Matrix „Bauteil × Leistungsphase × LOD“ ist das zentrale Steuerungsinstrument. Sie verhindert zwei typische Fehler:

  • Zu wenig LOD – das Modell reicht für die anstehende Aufgabe nicht aus.
  • Zu viel LOD – es wird Detaillierung bezahlt, die noch niemand braucht.

Beides kostet Geld. Das eine über Nachträge, das andere über unnötigen Modellierungsaufwand.


Fazit: LOD 200 reicht für Entwurf, Mengenschätzung und Kostenrahmen – aber nicht für die Ausschreibung. Für Genehmigung und Ausführung braucht es LOD 300, für die Koordination der Schnittstellen LOD 350. Wer das LOD-Ziel je Bauteil und Leistungsphase offen lässt, bekommt entweder zu wenig oder bezahlt zu viel. Die verbindliche Festlegung gehört ins AIA und in den BAP.

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