LOD und LOA – was die Abkürzungen wirklich bedeuten (und warum der Unterschied wichtig ist)

In BIM-Projekten tauchen LOD und LOA regelmäßig in Angeboten, Verträgen und Lastenheften auf. Das Problem: Beide Abkürzungen werden oft verwechselt, falsch verwendet oder schlicht nicht definiert. Hier kommt die Klärung – ohne Fachjargon-Suppe.
LOD – Level of Development (oder: Level of Detail)
LOD beantwortet die Frage: „Was ist genau modelliert – und wie belastbar ist das für Entscheidungen?"
Wichtiger Hinweis zur Begrifflichkeit
Je nach Land und Schule wird LOD mal als Level of Detail (Geometriedetail) und mal als Level of Development (Reifegrad/Zuverlässigkeit des Bauteils) verstanden. In sauberer Praxis meint LOD vor allem: verlässlicher Ergebnisstand – nicht „mehr Polygone = besser".
Typische Stufen (nach BIMForum)
Konzept – „ungefähr hier". Keine belastbare Geometrie.
Grobe Geometrie für Entwurf, Mengen und Volumen.
Präzise Geometrie für die Planung – oft genau das, was man bei BIM im Bestand oder bei Sanierungen braucht.
Zusätzlich Anschlüsse, Schnittstellen und Koordination zwischen Gewerken.
Fertigung und Montage (Fabrication Level).
As-built – so wie tatsächlich gebaut, für den Betrieb.
Idee dahinter: Mit höherem LOD steigt die Verantwortung – weil Entscheidungen und Geld daran hängen.
LOA – Level of Accuracy
LOA beantwortet eine andere Frage: „Wie nah ist das Modell oder das Aufmaß an der Realität – in Millimetern?"
Das ist ein reines Messthema: Aufmaß, Scanner, Punktwolken, Kontrollmessungen, Toleranzen. Das U.S. Institute of Building Documentation (USIBD) beschreibt LOA als Genauigkeitsbereich bei typisch 95 % Konfidenz:
Der wichtigste Unterschied
- ▸LOD = „Was ist modelliert und bis zu welchem Bearbeitungs- und Reifegrad?" Taugt das für Planung, Mengen, Kollisionsprüfung?
- ▸LOA = „Welche Messgenauigkeit und Toleranz?" Wie gut passt das Modell zum tatsächlichen Ist-Zustand?
Das klassische Projektproblem:
Du kannst LOD 400 liefern – also hochdetailliert modelliert – und gleichzeitig LOA 20 haben, weil das Aufmaß schlecht war. Ergebnis: sehr detailliert, aber falsch. Die Wand sitzt um 18 mm woanders als geplant. Das ist der Klassiker.
Was ins Angebot gehört – damit es später nicht unschön wird
Damit Diskussionen über verrutschte Wände vermieden werden, sollte ein sauberes Angebot folgendes enthalten:
z. B. „Architectural BIM LOD 300 (IFC/RVT)"
z. B. „Zielgenauigkeit LOA 30 (5–15 mm @ 95 %)"
Was wird modelliert (Tragwerk / Hülle / TGA / nur Außenhülle) – und was explizit nicht.
Kontrollmaße, Referenzpunkte, Genauigkeits- und Toleranzbericht.
Kurzhinweis zu ISO 19650
In der europäischen und englischen Praxis geht der Trend weg von „LOD/LOI" hin zu Level of Information Need – ein Begriff, der in ISO 19650 etabliert ist. Im Kern geht es darum: Welche Informationen werden in welcher Tiefe, für welchen Zweck und zu welchem Zeitpunkt benötigt?
Das ändert nichts am grundsätzlichen Prinzip – aber wer mit europäischen Auftraggebern oder nach ISO 19650 arbeitet, wird diesem Begriff begegnen.
Zusammenfassung: LOD sagt, für welche Aufgaben das Modell reif und verlässlich ist. LOA sagt, wie genau es im Vergleich zur Realität ist. Ohne klares LOA ist LOD im Vertrag oft nur ein hübsches Wort – für das später jemand haften soll.
Quellen
- 1.BIMForum: Level of Development (LOD) Specification – bimforum.org
- 2.USIBD: Level of Accuracy (LOA) Specification Guide – usibd.org
- 3.ISO 19650: Organisation und Digitalisierung von Informationen zu Bauwerken – buildingsmart.org
- 4.DIN EN ISO 19650-1 und -2, Ausgabe 2019 – dinmedia.de
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